Schon ihr ganzes Leben erwacht Stella häufig mit Verletzungen,
für deren Auftreten es keinen Grund zu geben scheint
außer den merkwürdigen Alpträumen, die sie oft plagen.
Dann kreuzt der mysteriöse Shiva ihren Weg,
dessen bloße Erscheinung eine unerklärliche Angst in ihr auslöst,
obwohl sie sich gleichzeitig zu ihm hingezogen fühlt.
Fortan begegnet sie ihm wieder ... in ihren Albträumen.

Stellas schlimmste Befürchtungen werden übertroffen,
als ihr ein Fremder offenbart, dass Shiva nicht von dieser Welt kommt
und sie selbst nur Teil eines grauenvollen Experimentes ist.
Doch zu spät ...
denn sie ist Shiva bereits bedingungslos verfallen!

Super Nova - ein außergewöhnlicher Fantasy-Romance-Roman,
mystisch, voll dunkler Geheimnisse und grenzenloser Liebe.
Tauchen Sie ein in diese fantastische Geschichte!

Leseprobe vom 3. Kapitel



Als ich das Abendessen für meine Mutter zubereitete, musste ich unentwegt an Shiva denken. Ich konnte nicht verstehen, warum er solche Angst in mir auslöste. Im Grunde war er, wie Rania immer sagte, wunderschön, ja, gar engelsgleich. Er strahlte eine Ruhe aus, die betäubte und selbst Rania in ihre Schranken verwies. Und doch hatte ich eine unerklärliche Angst vor ihm. Die Tatsache, dass er mich geradezu magisch anzog und ich den Rausch genoss, den er in mir erzeugte, änderte aber leider nichts an meiner Furcht.
In Gedanken versunken, aß ich mit meiner Mutter. Dabei war ich genauso stumm wie sie. Nachdem ich die Küche gesäubert hatte, nahm ich ein Bad und ging zeitig zu Bett, obwohl morgen Samstag war. Ich wollte einfach nur noch schlafen und vergessen – den Abend und am liebsten Shiva, der mich nicht mehr losließ.
Erstaunlicherweise schlief ich wieder sehr schnell ein, um kurz darauf in einem hellen Raum zu erwachen. Dort lag ich auf einer harten Unterlage. Ich spürte grelles Licht, so grell, dass ich meine Augen nicht öffnen konnte, da es mich sonst geblendet hätte. Ich sah nur funkelnde Sterne, die vor meinem inneren Auge tanzten. Dieser leuchtende Strahl war wohl direkt auf mein Gesicht gerichtet.
Plötzlich bemerkte ich Hände auf meinem Körper, kühle Hände, weich und zart. Sie machten etwas an meinem Bauch. Andere berührten meine Arme und Beine. Ich wollte mich bewegen, mich wehren, aber es ging nicht. Mein Körper wollte mir einfach nicht gehorchen. Ich blinzelte und sah angestrengt nach oben, um etwas zu erkennen. Genau über mir war ein Lichtkegel. Der Schein war so immens hell, dass es weh tat. Ich versuchte, meinen Kopf zur Seite zu drehen, aber es funktionierte nicht. Als würde ihn eine unsichtbare Macht festhalten. Ich probierte es erneut, wieder und wieder und mein Wille schien zu siegen. Ganz langsam gelang es mir, meinen Kopf nach rechts zu drehen. Ich öffnete meine Augen und sah mich um. Hier war alles weiß und leuchtend, teilweise schimmerte es silbern im Raum. Bunte Farben gab es in dem ganzen Zimmer nicht. An den Wänden befanden sich integrierte Schränke, zudem Vitrinen und eine Ablage mit merkwürdigen Gerätschaften. Es musste sich um eine Art Labor handeln.
Vor einer langen Arbeitsplatte standen drei Menschen, die mir den Rücken zuwandten. Sie waren alle weiß gekleidet und hantierten mit Flakons, silbrigen Gläsern, die im Lichte schillerten. Keiner von ihnen nahm mich wahr. Sie hatten zu tun. Mit einer langen, dünnen Nadel zogen sie gerade eine Flüssigkeit aus einem Flakon.
Kälte – ich spürte eisige Kälte auf meinem Bauch. Mein Kopf schreckte zurück und ich blickte entsetzt auf meinen Körper herab. Da waren lange weiße Finger, knochenlos, wie Gummi. Finger, die nicht von Menschen sein konnten. Die blanke Panik überfiel mich. Ich wurde hektisch und versuchte, um mich zu schlagen. Die weißen langen Finger griffen fester nach mir, drückten mich nach unten und hielten mich fest. Ich gab nicht auf und kämpfte verbissen.
»Ruhig, Stella, ganz ruhig …«, hörte ich Stimmen in meinem Kopf. Eine andere Stimme in mir sagte: »Dass sie es jedes Mal schafft, sich zu befreien, ist mir ein Rätsel!«
»Wer ist da?«, wollte ich schreien, doch kein Laut kam über meine Lippen. Stattdessen bekam ich zur Antwort: »Das weißt du doch! Und nun beruhige dich. Bleib still liegen und entspanne dich.«
Meine Panik steigerte sich ins Unermessliche. Das helle Licht über mir blendete so stark, dass ich nicht erkennen konnte, wer mich da festhielt. Ich sah nur die unmenschlichen Finger direkt auf meinem nackten Bauch. Erneut fuhr mein Kopf zur Seite. Da bemerkte ich einen der Menschen, es war ein junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren. Er kam gerade mit einer sehr langen, dünnen Nadel auf mich zu, an deren Ende ein kleiner Chip befestigt war, und überreichte sie den langen Fingern. Ich wollte aufstehen, sofort. Mit aller Gewalt und Kraft, die ich besaß, kämpfte ich gegen die an, die mich festhielten. Ich trat und spürte, dass ich etwas traf. Es klirrte. Das erste echte Geräusch. Ich drehte mich hin und her und schaffte es sogar, mich zu erheben, wurde dann aber wieder auf die harte Unterlage gepresst.
»So geht das nicht, haltet sie fest, haltet sie endlich fest!«, hörte ich abermals eine der maschinenähnlichen Stimmen sagen. Aber nur in mir dröhnten die Worte, laut sprach hier niemand. Oh nein, so leicht sollten sie es nicht haben. In Anbetracht der Tatsache, dass diese Nadel ganz nah an mich herangeführt wurde, nahm ich noch einmal meinen ganzen Mut zusammen und wehrte mich. Ich konnte die Nadel – eine Art Spritze – deutlich unter dem Lichtkegel, nur wenige Zentimeter über meinem Bauch, funkeln sehen. Dadurch bekam ich die Energie, die ich brauchte, um weiterzukämpfen. Plötzlich hörte ich einen Namen, der meinen Willen brach.
»Shiva!«, hallte es.
Ich blickte wieder nach rechts. Das Entsetzen stand mir ins Gesicht geschrieben. Da sah ich ihn, Shiva! Er war einer der drei Menschen, die an den Flakons gearbeitet hatten. Shiva befand sich vor den weißen, ablageähnlichen Laborschränken und sah mich an. Seine Augen, die mir sonst oft Angst machten, waren nun mein Rettungsanker – etwas Vertrautes in dieser beängstigenden Fremdheit der weißen Wände.
»Shiva«, hörte ich seinen Namen erneut und bemerkte, dass es meine eigenen, laut ausgesprochenen Worte waren, die den stillen Raum durchbrachen. Ganz langsam kam er zu mir.
»Shiva«, hauchte ich wiederholt, diesmal aber bewusst. Er war ganz nah neben mir, als ich einen tiefen Stich spürte. Einen Stich, der meinen Bauch durchbohrte. Ich wollte aufschreien, doch in dem Moment umfasste er meine Hand mit seinen Händen und kam noch näher. Ich fühlte seine Körperwärme, roch seinen verführerischen Duft.
Ich betrachtete unsere Hände, meine geschützt in seinen, und sah an seinem Finger einen silbernen Ring, in dessen Mitte eine Kugel eingelassen war. Darauf befand sich ein Zeichen – eine Art Kreuz mit einem Dach. Von der Kugel ausgehend, erstreckten sich fünf Silberfäden, die wiederum in kleineren Kugeln endeten. Sie alle schmiegten sich um Shivas Finger.
Ich war in den Anblick des sonderbaren Rings vertieft und wieder geschah es: ein weiterer Stich!
Es tat weh – sehr weh. Ich krümmte mich zusammen. Shiva beugte sich über mich, ich konnte seinen süßen Atem spüren. Er legte mir eine Hand auf die Stirn und sah mir tief in die Augen. Sein Blick schickte mich diesmal in die tiefsten Tiefen des Universums. Wie in einem farbigen Strudel aus purem Glück zog es mich immer tiefer, bis mir schummrig vor Augen wurde. Erst da bemerkte ich, dass ich nicht mehr atmete. Hastig nahm sich mein Körper, was er brauchte: Sauerstoff. Mit jedem Luftzug entkam ich dem Sog des reinen Glücks und wäre doch so gerne geblieben.
Dann wachte ich auf – zu Hause in meinem Bett. Ich schoss nach oben und setzte mich hin. Was für ein Albtraum. Mein Herz raste, meine Hände waren klitschnass und ich fror. Es war merkwürdig: Meine Bettdecke hing seitlich vom Bett herab und war so kalt wie der Rest meines Bettes. Selbst die Stelle, auf der ich erwacht war, schien nicht annähernd warm zu sein. Mein Blick huschte zum Wecker, es war 4.12 Uhr. Ich schaltete meine kleine Nachttischlampe ein und sah mich ängstlich im Zimmer um.
Im ganzen Haus war es mucksmäuschenstill. Mein Herzschlag wurde allmählich ruhiger und auch mein Puls wurde langsamer. Erst jetzt griff ich nach der Bettdecke, hob sie auf und kuschelte mich fröstelnd hinein. Es dauerte eine Weile, bis es etwas warm wurde und ich mich entspannen konnte. Meine Gedanken kehrten derweil immer wieder zu diesem seltsamen Traum zurück. Unbewusst fasste ich an meinen Bauch. Tat er mir gerade wirklich weh oder bildete ich mir das nur ein? Ich war zu aufgewühlt, um weiterschlafen zu können, und hatte Angst davor, das Licht auszumachen. Deshalb schüttelte ich mein Kopfkissen auf, legte es ans Kopfende, lehnte mich entspannt daran, zog die Bettdecke bis nach oben an mein Kinn und wartete und wartete …